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Verabschiedung von Sr. Liboria Menke
Goldene Caritaskreuz für große Verdienste
Neustadt / Main – Mit einer kleinen Feierstunde verabschiedete sich das Rehabilitationszentrum Haus St. Michael des Erthal-Sozialwerks von ihrer langjährigen Musiktherapeutin Schwester Liboria Menke, die seit der Gründungsphase Ende der 1970er Jahre maßgeblich am Aufbau der Einrichtung mitgearbeitet hat. Geschäftsführer Bernhard Götz dankte der Ordensfrau für ihre 33-jährige qualifizierte Arbeit. „Als Therapeutin haben sie sich immer wieder auf neue Menschen und Prozesse eingelassen“, würdigte Götz das Wirken der Ordensfrau. Über 1000 Rehabilitanden habe sie auf dem Weg in ein selbständigeres Leben begleitet. Zum Dank für dieses außerordentliche Wirken erhielt Sr. Liboria das Ehrenzeichen in Gold des Deutschen Caritasverbandes, das ihr Marlene Hauck als Vertreterin des Caritasverbandes der Diözese Würzburg beim Festakt überreichte.
Sr. Liboria Menke umringt von (v. li.) v.li. Marlene Hauck (Vertreterin des Caritasverbandes der Diözese Würzburg), Geschäftsführer Bernhard Götz und Einrichtungsleiterin Ilona Englert

sSchwester Liboria Menke wurde am 26. März 1931 geboren. Als junge Ordensfrau entsandte sie das Kloster nach Südafrika, wo sie zur Musiklehrerin ausgebildet wurde und an der Missionsschule unterrichtete. 1971 ging sie nach Rom, um dort zur Bildhauerin ausgebildet zu werden. Kurz vor Ende ihrer Ausbildung warb Schwester Ruth Niessen vom Dominikanerinnenkloster Missionshaus St. Josef in Neustadt die „begnadete Künstlerin“ an, um beim Aufbau eines Rehabilitationszentrums für psychisch kranke und behinderte Menschen in Neustadt am Main mitzuarbeiten. Von Anfang an beschäftigte sich Sr. Liboria Menke intensiv mit den Theorien der Prozesstherapie, nach der ein Material, mit dem Menschen arbeiten, eine Wirkung auf deren Seele und Gesundheit ausübt.

„Ein Symptom einer psychischen Erkrankung ist es, dass Menschen die eigene Struktur verlieren“, erklärt Einrichtungsleiterin Ilona Englert. Das Rohmaterial Ton, mit dem Sr. Liboria oft gearbeitet habe, besitze auch keine feste Form. „Für Menschen ohne Struktur ist es daher kaum zu bewältigen, mit dem Material kreativ umzugehen“, so Englert weiter, „Ihnen ist es mit einfachen, aber effektiven Methoden gelungen, dass Rehabilitanden mit dem Material kreativ umgehen konnten. So konnten sie erste neue Eindrücke nach der Krankheit hinterlassen“, würdigte die Einrichtungsleiterin die Arbeit der Ordensfrau.

Im Rehabilitationszentrum Haus St. Michael war Sr. Liboria Menke in verschiedenen Bereichen eingesetzt, in denen sie ihre außerordentliche Kunstbegabung einbringen konnte. Mit großem Engagement leitete sie die Musiktherapie, studierte Tänze ein und entwarf die passenden Kostüme dazu. Im Kreativen Arbeitstraining arbeitete sie mit den verschiedensten Materialen wie Ton, Seide und Aquarell. Sie studierte mit den Rehabilitanden Theaterstücke ein und entwickelte Schatten- und Marionentenspiele mit eigenen Handpuppen. In ihrem Ruhestand im benachbarten Dominikanerinnenkloster St. Josef in Neustadt wird sich Sr. Liboria Menke nun besonders der Fotografie und der Töpferei widmen.

Veröffentlicht: 25.06.2010 Andrea Schödl